Gengda/Wien: Der Countdown beginnt für Yuan Yuan

Posted by Jola
Yuan Yuan

Yuan Yuan und der Zollbeamte nach dem abgeschlossenen Gesundheits-Check in Shenshuping, 2. April 2019 (Foto: Mianyang News Network)

Laut chinesischen Medien soll am 15. April 2019 ein neues Kapitel der Panda-Diplomatie beginnen, der fast 20-jährige Yuan Yuan verläßt China, um für vier Jahre in Wien zu leben, und danach, wenn der im Jahr 2013 um weitere zehn Jahre verlängerte Vertrag ausläuft, gemeinsam mit Yang Yang nach China zurückzukehren …

Am 2. April 2019 wurden die letzten Gesundheits-Checks nach der 30-tägigen Ausreise-Quarantäne in Shenshuping abgeschlossen, von einem Zollbeamten begutachtet, eine Gesundheitsbescheinigung für die problemlose Ausreise ausgestellt, jetzt dauert es nur noch Stunden, bis der neue Panda nach Wien abreist- doch wer ist der „Neue“? Hier nun einige Infos zu Yuan Yuan aka „Rund“ aka „Schrambär“ …

Der neue Panda heißt Yuan Yuan, chinesisch 园园, was in etwa mit „rund“ übersetzt werden kann – ein Name, der bei Pandas recht häufig verwendet wird (um die zehn Pandas heißen/hießen so). Die bekannteste Yuan Yuan ist wohl das Panda-Weibchen im Taipei Zoo, das 2013 ihr nach der Geburt verletztes Töchterchen Yuan Zai nach einigen Wochen problemlos wieder angenommen hat. „Unser“ Yuan Yuan ist allerdings ein Bub, ein erwachsener Panda-Mann, besser gesagt ein schon älterer Herr. Von einer Gratiszeitung in Wien bekam er im Vorfeld bereits den Spitznamen „Schrambär„, da er im Zuge der Panda-Diplomatie u.a. durch das Mitwirken von Ministerin und Eigentümervertreterin Schramböck nach Wien kommt (Österreich, Printausgabe vom 22. März 2019).

Yuan Yuan, Zuchtbuch-Nummer 488, wurde am 23. August 1999 im Zoo von Peking geboren, er wird heuer im August, d.h. in vier Monaten, 20 Jahre alt. Umgerechnet auf Menschenjahre entspricht das einem Alter von rund 60 Jahren (Pandajahre mal drei = Menschenjahre). Seine Mama (#245) ist Yun Yun aka Yue Yue aka Yong Yong, sein Papa Liang Liang, #323. (Übrigens, der Papa von Panda-Mädl Meng Meng im Zoo Berlin heißt auch Yong Yong).

Yuan Yuan

Yuan Yuan mit Pfleger und dem Zollbeamten in Shenshuping, 2. April 2019 (Foto: Mianyang News Network)

Er hat zahlreiche Geschwister, sein jüngerer Zwillingsbruder verstarb im Alter von zwei Monaten. Die bekanntesten großen Brüder sind wohl Ei Mei (#390) in Wakayama, der dort rund 15 Panda-Kinder gezeugt hat, sowie Ben Ben, der 2001 für einige Wochen in Moskau war und Anfang 2008 in Peking verstarb.

Auch Yuan Yuan hat schon zahlreiche Nachkommen gezeugt. Die exakte Zahl ist nicht bekannt, da es in China oft üblich war/ist, dass Panda-Weibchen nach einer natürlichen Paarung zusätzlich (mit Spermien eines anderen Pandas) künstlich besamt werden, und bei etlichen Pandas die genaue Herkunft mangels Vaterschaftstest nicht bekannt ist. Jedenfalls soll Yuan Yuan der Papa von mindestens 20 Panda-Kindern sein, wovon noch mindestens 16 am Leben sind. Er ist auch Großvater von mindestens zehn Pandas. Seine bekanntesten Panda-Kinder außerhalb Chinas sind beispielsweise Hu Bao aka Jia Jia in Singapur sowie die Panda-Buben Cai Tao in Indonesien, Yuan Xin in Südkorea, Hua Bao aka Pyry in Finnland und Xing Ya im Ouwehand-Zoo in Rhenen in den Niederlanden.

In den letzten Jahren war er nicht mehr ganz so erfolgreich. 2014 wurde er Vater von den Zwillingen Pu Pu und Fa Fa, die im Shenyang Forest Zoological Garden leben (Anmerkung: als diese Zwillinge vier Jahre alt waren, stellte sich heraus, das Panda-Mädl Pu Pu gar kein Mädl ist … vielleicht ist das der Grund, warum er/sie so gerne umdekoriert und die Einrichtung zerlegt). Yuan Yuan hat sich 2014 beispielsweise auch mit Su Lin, die im Zoo von San Diego geboren wurde, gepaart. Doch Papa von Panda-Baby Su Xing wurde er nicht, die Spermien von Lu Lu haben bei der künstlichen Besamung gesiegt. In den Jahren 2015 bis 2017 gab es keine Panda-Babys von ihm. 2018 zeugte Yuan Yuan zwei Panda-Kinder, Tian Bao, das Töchterchen von Yao Man, sowie das noch namenlose Töchterchen von Zhi Chun, und möglicherweise noch drei weitere*), wovon eines nicht überlebte.

*) ob durch natürliche Paarung oder künstliche Besamung ist jedoch nicht bekannt

Yuan Yuan

Yuan Yuan mit Pfleger und dem Zollbeamten in Shenshuping, 2. April 2019 (Foto: Mianyang News Network)

Für Yuan Yuan war es wohl eine große Umstellung, von seinem gewohnten hügeligen Zuhause mit viel Platz in der Qingchengshan Panda-Basis in Dujiangyan in die kleine Quarantäne-Station in Shenshuping zu übersiedeln. Eine noch größere Umstellung wird wohl sein neues Zuhause in Wien werden, das vollkommen anders ist, als die Anlagen in Dujiangyan. Laut dem Tiergarten Schönbrunn ist geplant, dass er erst Ende Mai 2019 vorgestellt wird und bis dorthin im Haus bleibt – ganze sechs Wochen im Haus drinnen, im kleinen Bereich von Long Hui??

Video Yuan Yuan in der Quarantäne-Station in Shenshuping in Gengda, 11. April 2019 (Video © iPanda). Der Pfleger im Video sagt, dass Yuan Yuan in einem guten Zustand und fit sei, sein aktuelles Gewicht 104 kg wäre, dass er während der Quarantäne stabil war und gut gefressen hätte und dass täglich rund neun Kilogramm hinten wird raus kamen 😉

Wie auch immer, mit Yuan Yuan wird tatsächlich ein vollkommen neues Kapitel der Panda-Diplomatie eröffnet, nie zuvor wurde ein Panda im Senioren-Alter ins Ausland geschickt. Die Reaktionen auf Weibo sind einhellig alles andere als besonders begeistert („so alt und muss noch arbeiten“). Offiziell heißt es hingegen: Der Besuch des Riesenpandas in Österreich wird die Zusammenarbeit zwischen China und Österreich bei der Zucht von Riesenpandas, Prävention und Bekämpfung von Krankheiten, Fütterungsmanagement und populärwissenschaftlicher Ausbildung weiter vertiefen und ein neues Kapitel in der Forschungskooperation zwischen China und Österreich eröffnen.

Ich hoffe sehr, dass Yuan Yuan die lange Reise nach Wien gut übersteht und er sich hier wohl fühlt.

Fotos: Mianyang News Network (绵阳新闻网), mit freundlicher Genehmigung

Video: iPanda.com

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